Zweite Woche im Kloster


Grüezi Lieber Leser wer du auch immer bist, ich hoffe du hattest eine schöne Woche ich jedenfalls hatte sie und werde dir nun davon erzählen.



Memento mori – sei dir bewusst, dass du sterben wirst.

Ein Satz, dem ich schon relativ früh in meinem Leben begegnet bin und über den ich diese Woche im Kloster wieder viel nachgedacht habe.


Gerade bei meinen Spaziergängen hier rund um das Kloster, wenn ich meinen Rosenkranz bete und einfach ein Stück durch die Natur gehe, kommt man schnell ins Nachdenken. Diese ruhigen Momente waren für mich diese Woche besonders wichtig. Beim Beten und Gehen habe ich viel über diesen Satz nachgedacht: Memento mori. Nicht im Sinne von Angst oder Dunkelheit, sondern eher als Erinnerung daran, dass unser Leben begrenzt ist und dass wir die Zeit, die wir haben, bewusst nutzen sollten.


Hier im Kloster Einsiedeln bekommt dieser Gedanke eine ganz eigene Tiefe, weil man ständig mit Geschichte konfrontiert wird. Überall begegnet man Spuren von Menschen, die lange vor uns hier gelebt haben.



Ein besonders eindrücklicher Moment dieser Woche war mein Besuch in der Bücherbinderei und im Klosterarchiv. Dort durfte ich mit einem Manuskript arbeiten, das ungefähr aus den Jahren 940–950 stammt und heute als Codex 7 – Biblia Pars II geführt wird. Dieses Buch ist also über 1000 Jahre alt. Geschrieben wurde es von einem Mönch hier im Kloster – lange bevor es überhaupt Buchdruck gab. Jeder einzelne Buchstabe wurde damals von Hand mit Feder und Tinte auf Pergament geschrieben.


Noch faszinierender ist, dass der Inhalt des Textes selbst noch älter ist. Teile davon stehen in Verbindung mit dem Kirchenvater Basilus der Große, der im 4. Jahrhundert als Bischof von Caesarea lebte. Ein Mönch im 10. Jahrhundert hat also Texte abgeschrieben, die ursprünglich mehrere hundert Jahre zuvor entstanden sind.


Beim Lesen der Seiten konnte man unter anderem eine Passage über das Leiden und die Auferstehung von Jesus Christus erkennen. Sinngemäß heißt es dort laut Übersetzung:




„Sie führten ihn hinaus, um ihn zu kreuzigen.

Nachdem er gestorben war, wurde er ins Grab gelegt.

Zur Zeit seines Leidens und seiner Auferstehung wurden die Gräber geöffnet.

Viele Körper der entschlafenen Heiligen standen auf.

Dadurch wurde gezeigt, dass Christus Macht über den Tod hat.“

Wer daran glaubt, wird nicht im Tod bleiben.


Ein kleines Detail hat mich dabei besonders beeindruckt: Etwa 300 Jahre nachdem das Buch geschrieben wurde, hat ein Bibliothekar des Klosters Einsiedeln  vermutlich Heinrich von Diegernz kleine gezeichnete Finger in den Rand gemalt, sogenannte maniculae. Damit markierte er Stellen im Text, die er beim Lesen besonders wichtig fand.



Das bedeutet: Ein Mönch hat das Buch im 10. Jahrhundert geschrieben, ein Bibliothekar hat im 14. Jahrhundert diese Stellen markiert – und heute, im Jahr 2026, durfte ich genau dieselben Seiten anschauen. Solche Momente lassen Geschichte plötzlich sehr lebendig werden.


Wenn man darüber nachdenkt, wird einem auch bewusst, was dieses Buch alles überstanden hat: über tausend Jahre Geschichte, politische Umbrüche, Kriege und Zeiten großer Veränderungen in Europa  bis hin zu den napoleonischen Umbrüchen. Trotzdem liegt es heute noch hier im Archiv.


Auch Schädel von ehemaligen Äbten des Klosters konnte ich dort sehen. Wenn man davor steht, merkt man plötzlich, wie viele Generationen von Menschen hier im Kloster gelebt, gebetet und gearbeitet haben.



Neben diesen Eindrücken aus dem Archiv gab es diese Woche auch wieder schöne Begegnungen. Pater Cyrill hat mich eingeladen, an einem sogenannten „Spirit Day“ teilzunehmen. Dabei waren Schüler aus dem Internat des Klosters dabei, die hier leben und zur Schule gehen.


Ich durfte mich dort vorstellen und ein wenig aus meinem Leben erzählen vor allem darüber, wie ich persönlich zum Glauben gekommen bin und warum ich mich entschieden habe, diese Zeit im Kloster zu verbringen. Die Schüler haben sehr aufmerksam zugehört und danach viele Fragen gestellt. Daraus entstand ein wirklich offenes und sehr flüssiges Gespräch. Es war schön zu sehen, dass von allen Seiten echtes Interesse da war und dass man über Glauben, Zweifel und persönliche Erfahrungen so ehrlich miteinander sprechen konnte.



Auch die Arbeit hat diese Woche richtig begonnen. Momentan arbeite ich im Klosterladen. Dort helfe ich hauptsächlich beim Etikettieren der verschiedenen Produkte, die im Laden verkauft werden. Dazu gehören zum Beispiel der Wein, der hier im Kloster hergestellt wird, aber auch andere Produkte wie Kräutersirup. Den Kräutersirup habe ich selbst probiert und kann sagen: Der ist wirklich extrem lecker. Auch Rosenkränze und andere kleine Gegenstände gehen durch meine Hände, während ich sie für den Verkauf vorbereite.



Was ich hier außerdem immer stärker merke, ist der Rhythmus des klösterlichen Lebens. Die heilige Messe findet jeden Tag statt und die Gebetszeiten begleiten den gesamten Tagesablauf. Interessant ist, dass es für mich überhaupt nicht langweilig wird zu beten ,im Gegenteil. Je länger ich hier bin, desto mehr freue ich mich sogar auf diese Zeiten. Die Gebete und die Messe bekommen für mich von Tag zu Tag eine tiefere Bedeutung und man merkt, wie sie langsam Teil des eigenen Tagesrhythmus werden.

Ein besonderer Moment dieser Woche war für mich außerdem, dass ich zum ersten Mal im Kloster bei der Vesper ministrieren durfte. Das war eine sehr schöne Erfahrung, weil man das gemeinsame Gebet dadurch noch einmal auf eine andere Weise erlebt. Wenn man vorne am Altar steht und Teil der Liturgie ist, nimmt man vieles noch bewusster wahr und fühlt sich dem Gebet der Gemeinschaft noch einmal näher verbunden.


Auch die Gespräche mit den Mönchen sind für mich eine große Bereicherung. Wenn man mit ihnen zusammensitzt oder einfach zwischendurch ins Gespräch kommt, entstehen oft sehr interessante und tiefgehende Gespräche. Man merkt schnell, wie viel Lebenserfahrung, Ruhe und Weisheit viele von ihnen mitbringen. Diese Begegnungen sind für mich ein sehr wertvoller Teil der Zeit hier im Kloster.


Ein weiteres kleines Highlight dieser Woche war ein Theaterstück der Schüler der Stiftsschule. Ich wurde von Kandidat Max und Novize Karsten eingeladen, mir das Stück anzuschauen. Es war ein sehr schöner und amüsanter Abend.


Am Anfang der Woche habe ich außerdem Leon noch kurz zum Bahnhof begleitet. Er setzt seine Klosterzeit nun im Kremsmünster in Österreich fort, wo er ebenfalls sechs Monate verbringen wird. Ich wünsche ihm dort auf jeden Fall eine gute und gesegnete Zeit.



Wenn ich auf diese Woche zurückblicke, merke ich, wie sehr sich alles um diesen einen Gedanken gedreht hat: Memento mori. Gerade wenn man alte Bücher sieht, die über tausend Jahre alt sind, oder Zeugnisse von Menschen, die hier vor Jahrhunderten gelebt haben, wird einem bewusst, wie vergänglich vieles im Leben ist.


Und gleichzeitig erinnert dieser Gedanke daran, dass das Leben nicht einfach nur vergänglich ist, sondern getragen wird von Hoffnung  besonders im Glauben an Christus.


Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen noch bringen werden und freue mich darauf, euch weiterhin ein wenig an dieser Zeit teilhaben zu lassen.


Vielen Dank fürs Lesen und bis nächste Woche.





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