Blog – Woche 5 & 6


Herzlich Willkommen zu einem neuen Eintrag meines Blogs.

Ich hoffe, du hattest gesegnete Ostern und konntest diese besondere Zeit bewusst erleben.



Die letzten zwei Wochen hier im Kloster waren mit die intensivsten bisher, denn wir sind gemeinsam durch die Karwoche gegangen und durften anschließend Ostern feiern.


Schon in der Karwoche hat man gespürt, dass diese Tage anders sind.

Alles wurde ruhiger, tiefer und gleichzeitig bedeutungsvoller.


Es waren viele Pilgergruppen aus verschiedenen Ländern hier im Kloster Einsiedeln, die gemeinsam diese besondere Zeit erlebt haben.

Die Kirche war oft randvoll und man hat gemerkt, wie viele Menschen auf der Suche sind nach Hoffnung, nach Sinn und nach Gott.



Am Hohen Donnerstag haben wir die Abendmahlsfeier erlebt und danach die nächtliche Anbetung.

Gerade diese Stunden in der Nacht waren besonders.

Es war still, aber keine leere Stille, sondern eine Stille, in der man Gott näher kommen konnte.


Der Karfreitag war für mich einer der intensivsten Tage überhaupt.

Die Trauermetten, die Liturgie und die stille Andacht am Heiligen Grab haben alles nochmal tiefer gemacht.


Man konnte die Kreuzigung nicht nur hören oder sehen, sondern irgendwie innerlich miterleben.



Und genau darin lag auch etwas Schönes.


Denn durch diesen Schmerz wurde mir neu bewusst, was es wirklich bedeutet, dass Jesus für uns gestorben ist.


Oft sagt man das einfach so, aber in diesen Momenten wird es real.


Der Karsamstag war dann ein Tag des Wartens.

Ein stilles Aushalten zwischen Tod und Auferstehung.


Und dann kam die Osternacht.


Für mich war das einer der stärksten Momente bisher.

Aus der Dunkelheit ins Licht zu gehen und die Auferstehung zu feiern, hatte eine Kraft, die man schwer in Worte fassen kann.



In dieser Nacht durfte ich auch etwas ganz Besonderes miterleben:

Drei Schülerinnen aus der Stiftschule haben sich taufen lassen.


Die Kirche war nur vom Kerzenlicht erfüllt, alles war dunkel und gleichzeitig voller Licht.

Und genau in diesem Moment zu sehen, wie neues Leben beginnt, während wir die Auferstehung feiern, war etwas sehr Bewegendes.


Es hat nochmal deutlich gemacht, worum es eigentlich geht:

Nicht nur an etwas zu glauben, sondern diesen Schritt wirklich zu gehen.


Was mir dabei besonders bewusst geworden ist:


Das Grab ist leer.


Und dieses leere Grab bedeutet so viel mehr, als man oft denkt.


Es bedeutet, dass unsere Sorgen leer sein dürfen.

Unsere Zweifel leer sein dürfen.

Alles, was uns belastet und runterzieht, hat nicht das letzte Wort.


Christus hat es bereits getragen.


Und genauso wie das Grab leer ist, dürfen auch wir lernen, das, was uns beschwert, bei ihm zu lassen. 

 In der Gewissheit das auch unser Grab und das was und darin hält leer sein wird durch Christus selbst.

Der Ostersonntag war dann geprägt von Freude, Leichtigkeit und Dankbarkeit.

Man hat gespürt, dass etwas Neues begonnen hat.

(Übrigens war das Essen sehr sehr köstlich)

Auch in der darauffolgenden Woche ging der Alltag hier im Kloster weiter, aber innerlich hat sich etwas verändert.


Ich habe wieder im Klosterladen gearbeitet, Weihwasser abgefüllt, Weihrauch nachgefüllt und verschiedene Dinge beschriftet.

Ganz normale Aufgaben – und trotzdem haben sie sich anders angefühlt.


Außerdem durfte ich in der Buchbinderei bei der Vorbereitung einer Ausstellung mithelfen.

Dabei ging es um alte Schriften, Bilder und Dokumente aus verschiedenen Jahrhunderten.




Einige dieser Texte stammen aus der Zeit um 1300, und das Späteste, was ich gesehen habe, war aus dem Jahr 1674.

Darunter waren auch Briefe und Dokumente aus dem Vatikan, aus Einsiedeln selbst und aus verschiedenen Teilen der Welt.




Viele dieser Texte waren auf Latein und hatten mit kirchlichen Bestätigungen, Segnungen oder Weihen zu tun.

Auch alte Darstellungen vom Kloster, wie es früher aussah, waren dabei.


Das hat mir nochmal gezeigt, wie tief die Geschichte dieses Ortes geht und wie viele Menschen schon vor uns hier geglaubt und gewirkt haben.


Ich durfte wieder viele neue Menschen kennenlernen, viele Besucher, die ins Kloster kamen.

Jeder bringt seine eigene Geschichte mit, und es ist schön, Teil davon sein zu dürfen – auch wenn es manchmal nur für einen kurzen Moment ist.


Ein weiterer Moment ist für mich Die Gartenarbeit.

Ich habe Unkraut entfernt und Pflanzen gedüngt.


Dabei war auch Heidi, die Klosterkatze, die uns Gesellschaft geleistet hat  ein kleiner, aber schöner Moment im Alltag.



Außerdem haben Novize Carsten und Kandidat Max mich und zwei Besucher in das kleine Klosterkino geführt.

Dort haben wir gemeinsam einen Film über das Kloster geschaut.


Der Film hat mit einer Beerdigung eines Mitbruders begonnen und gleichzeitig auch die Taufe gezeigt.

Also den Übergang zwischen Tod und neuem Leben.


Was ich daraus besonders mitgenommen habe, ist, wie sehr im Kloster alles miteinander verbunden ist.

Das Leben, der Tod, der Dienst an Gott und die Offenheit gegenüber der Welt.


Die Verbundenheit unter den Mitbrüdern war deutlich spürbar, genauso wie der Auftrag, auch für andere da zu sein.


Im Grunde geht es um eines:

Christus zu dienen im Inneren und im Äußeren.




Wenn ich diese zwei Wochen beschreiben müsste, dann würde ich sagen:


Es war ein Weg vom Dunkel ins Licht.


Von Stille, Schmerz und Warten – hin zu Hoffnung, Leben und neuer Kraft.


Ich merke immer mehr, dass Glaube nicht nur aus schönen Momenten besteht, sondern auch aus genau diesen Zeiten dazwischen.


Aber gerade dort wirkt Gott oft am stärksten.


Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen bringen werden und wohin mich dieser Weg noch führt.


Ich wünsche dir eine gesegnete Zeit und dass auch du immer wieder Momente findest, in denen du zur Ruhe kommen kannst.







Kommentare

  1. Ich verfolge nun deinen Blog seit beginn und es freut mich so viel über das Thema der Gottsuche in der Stille und der Besinnung zu erfahren!

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  2. So bewundernswert wie du das innerlich Erlebte in Worte fassen kannst! Deinen Blog zu lesen freut mich immer sehr. Gottes Segen wünsche ich dir!

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