Woche 7 im Kloster
Herzlich Willkommen zu einem neuen Eintrag meines Blogs.
Ich hoffe, du hattest eine gesegnete Zeit und konntest auch in den letzten Tagen immer wieder Momente der Ruhe finden.
Diese Woche hat für mich mit einem Gedanken begonnen, der mir während der Gartenarbeit gekommen ist.
Eigentlich habe ich nur auf einem Kieselweg gearbeitet und die kleinen Grashalme entfernt, die sich dort ausgebreitet hatten.
Rein äußerlich könnte man sagen: Es bringt nichts.
Man kann diesen Weg auch gehen, wenn er bewachsen ist.
Und genau darin lag für mich etwas Geistliches.
Denn der Weg ist trotzdem noch da, auch wenn er überwuchert ist.
Aber er ist nicht mehr klar sichtbar.
Und genauso ist es auch in uns.
Zweifel, Gedanken oder innere Unruhe nehmen uns nicht unbedingt den „Weg“, aber sie überwuchern ihn.
Sie legen sich darüber, machen ihn undeutlich und nehmen ihm die Klarheit.
Durch diese Arbeit habe ich gemerkt:
Es geht nicht immer darum, etwas Neues zu schaffen.
Manchmal geht es darum, das freizulegen, was schon längst da ist.
Ordnung zu schaffen, auch dort, wo man denkt, dass eigentlich nichts verloren gegangen ist.
Und während ich dort gearbeitet habe, war auch Heidi, die Klosterkatze, wieder mit dabei.
Eine kleine, ruhige Begleiterin, die diesen Moment komplett gemacht hat.
Dieser Gedanke hat sich für mich durch die ganze Woche gezogen.
Denn auch bei der Ausstellung, bei deren Vorbereitung ich bereits helfen durfte, ging es im Grunde genau darum.
Dinge sichtbar zu machen, die schon lange da sind.
Am Donnerstag wurde die Austellung nähmlich fertig gestellt an der ich auch kleinen anteil haben durfte in der Vorbereitung.
Sie trägt den Titel „500 Jahre wieder aufblühen“.
Dabei geht es um eine Zeit, in der das Kloster Kloster Einsiedeln kurz vor dem Untergang stand.
Es gab eine Phase, in der hier nur noch ein einziger Mönch lebte.
Strukturen waren zerbrochen, vieles war verloren gegangen, und auch äußere Umstände haben dazu beigetragen, dass dieser Ort fast verschwunden wäre.
Und doch ist das Kloster wieder aufgeblüht.
Diese Geschichte hat mich sehr berührt, weil sie zeigt:
Selbst wenn etwas überwuchert ist, selbst wenn es fast verloren scheint ,es kann wieder neu entstehen.
Nicht immer sofort, nicht immer sichtbar, aber doch real.
Neben diesen Momenten gab es auch wieder Zeiten in der Natur.
Ich war wandern rund um Einsiedeln, bin durch die Berge gelaufen und war unten am See unterwegs.
Diese Ruhe, diese Weite das hilft, innerlich still zu werden und die Gedanken zu ordnen.
Man merkt dort draußen nochmal ganz anders, wie groß die Schöpfung ist und wie klein oft die Dinge sind, die uns sonst beschäftigen.
Ein weiterer besonderer Moment war ein Ausflug mit Novize Carsten und Kandidat Max.
Sie haben mich eingeladen, gemeinsam in das Diorama hier in Einsiedeln zu gehen.
Dort wird die Geschichte rund um die Geburt Jesu dargestellt.
Von der Verkündigung bis hin zur Geburt – alles in liebevoll geschnitzten Figuren, begleitet von einem Hörspiel.
Es war wie ein Eintauchen in die Weihnachtsgeschichte.
Nicht laut oder spektakulär, sondern ruhig und gleichzeitig sehr tief.
Man konnte sich richtig hineinversetzen in diese Zeit und das Geschehen.
Auch das war wieder so ein Moment, in dem etwas Bekanntes neu sichtbar wurde.
Auserdem durften wir die Holzfiguren sehen die 1880 meines Wissens nach geschnitzt wurden und ihren Mechanischen Aufbau.
Auch eine Mineralliensammlung war dort aufzufinden
Im Alltag hier im Kloster ging es natürlich auch weiter.
Ich durfte im Klosterladen mithelfen, Weihrauch abfüllen, Dinge beschriften und einfach im normalen Rhythmus mitlaufen.
Diese Aufgaben wirken nach außen hin oft unscheinbar, aber genau darin liegt etwas Wertvolles.
Es ist ein ruhiger Dienst, der Struktur gibt und gleichzeitig Raum lässt für innere Prozesse.
Außerdem hat mir Pater Thomas gezeigt, wie das Ministrieren in der Heiligen Messe funktioniert.
Damit durfte ich einen weiteren Schritt näher an das Geschehen der Eucharistie gehen.
Ein Dienst, der nicht nur äußerlich ist, sondern auch innerlich etwas bewegt.
Und noch etwas hat mich diese Woche besonders berührt:
Durch Max habe ich erfahren, dass sein Namenspatron Max Josef Metzger ursprünglich aus Schopfheim kommt.
Genau wie ich.
Max Josef Metzger war ein katholischer Priester und Friedensaktivist, der sich besonders für Versöhnung zwischen den Völkern und für den Frieden eingesetzt hat.
Er wurde 1887 geboren und gründete mehrere christliche Gemeinschaften mit dem Ziel, ein Leben im Glauben und in Einheit zu fördern.
Während der Zeit des Nationalsozialismus setzte er sich weiterhin für Frieden ein und geriet dadurch ins Visier des Regimes.
1944 wurde er schließlich verhaftet und wegen seiner Überzeugungen hingerichtet.
Heute gilt er als ein mutiges Zeugnis für Glauben, Gewissen und den Einsatz für den Frieden.
Das war so ein Moment, den man nicht planen kann.
Ein scheinbar kleiner Zufall und gleichzeitig doch mehr.
Als würden sich Wege kreuzen, ohne dass man es vorher sieht.
Wenn ich diese Woche zusammenfassen müsste, dann würde ich sagen:
Es ging darum, wieder klarer zu sehen.
Nicht, weil etwas komplett Neues entstanden ist, sondern weil etwas freigelegt wurde.
Im Garten, in der Geschichte des Klosters, in der Natur und auch in mir selbst.
Manchmal ist der Weg nicht weg.
Er ist nur überwuchert.
Und vielleicht gilt das nicht nur für uns selbst, sondern auch für die Wege zwischen uns Menschen.
Beziehungen, die wir nicht gepflegt haben.
Verbindungen, die mit der Zeit zugewachsen sind.
Oder sogar der Weg zu Gott, der vielleicht da ist, aber nicht mehr klar zu erkennen.
Manchmal verstehen wir uns nicht, nicht weil kein Weg da ist, sondern weil er nie freigelegt wurde oder lange unbeachtet blieb.
Und vielleicht besteht ein großer Teil dieses Weges genau darin, immer wieder neu Ordnung zu schaffen.
Still, geduldig und oft in ganz einfachen Dingen.
Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen bringen werden und wohin mich dieser Weg noch führt.
Außerdem möchte ich mich von Herzen für die vielen netten Rückmeldungen und Kommentare bedanken, die ich immer wieder bekomme – sei es hier über die Plattform oder auch privat.
Es bedeutet mir wirklich viel zu sehen, dass diese Gedanken nicht nur bei mir bleiben, sondern auch andere berühren dürfen.
Danke für eure Aufmerksamkeit und dass ihr diesen Weg ein Stück mit mir geht.
Ich wünsche dir eine gesegnete Zeit und dass auch du immer wieder Momente findest, in denen dein innerer Weg frei wird.
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