Woche 8 im Kloster
Herzlich Willkommen zu einem neuen Eintrag meines Blogs.
Ich hoffe, du hattest eine gesegnete Zeit und konntest auch in den letzten Tagen immer wieder Momente der Ruhe finden.
Diese Woche war anders.
Irgendwie ruhiger und gleichzeitig tiefer.
Sie hat für mich in einer ganz besonderen Weise begonnen.
Am Dienstag hatte ich etwas Bürokratisches zu erledigen und bin dafür nach Schwyz gefahren.
Nachdem das erledigt war, habe ich mir bewusst Zeit genommen.
Zeit, die ich nicht verplant habe.
Es war wie ein kleiner freier Tag mitten in der Woche.
Ich bin einfach losgelaufen.
Ohne genaues Ziel, ohne große Vorbereitung.
Ich kannte die Gegend dort gar nicht.
Und vielleicht war genau das das Entscheidende.
Einfach das Handy weglegen und gehen.
Schritt für Schritt.
Nicht wissen, wo man genau ankommt, aber trotzdem vertrauen, dass der Weg sich zeigt.
Ich bin durch die Natur gelaufen, war am See, habe die Berge gesehen.
Und mitten dort, eingebettet in einen Felsen, war eine kleine Gebetsstätte.
Eine Marienstatue, Kerzen, ein Kreuz.
Ganz still.
Ganz schlicht.
Und doch voller Bedeutung.
Direkt am Wasser, umgeben von Bergen.
Ein Ort, der nicht laut ist, aber spricht.
Ich habe mich dort hingesetzt und gemerkt, wie etwas in mir ruhiger wird.
Als würde sich innerlich etwas öffnen, ohne dass ich es bewusst steuere.
Und genau dort ist mir ein Gedanke gekommen, der mich durch die ganze Woche begleitet hat:
Wenn die Welt beginnt aufzublühen, dann beginnt oft auch etwas in uns aufzublühen.
Man spürt es.
Die Luft wird wärmer.
Die Natur wird lebendiger.
Pflanzen wachsen, Tiere kommen zurück, alles wirkt offener.
Und gleichzeitig merkt man, wie auch das eigene Herz weicher wird.
Empfänglicher.
Freudiger.
Als würde nicht nur die äußere Welt aus einem Winter kommen, sondern auch die innere.
Und vielleicht gibt es Zeiten, in denen wir genau das erkennen müssen:
Dass wir selbst in einem inneren Winter stehen.
Dass Dinge in uns ruhig geworden sind, vielleicht sogar kalt.
Und dass es Zeit ist, wieder ins Licht zu treten.
Nicht erzwungen.
Sondern Schritt für Schritt.
So wie die Natur es auch tut.
Diese Stunden draußen, fern vom Handy, fern von Verpflichtungen, haben mir genau das gezeigt.
Ich war mehrere Stunden unterwegs.
Und in dieser Zeit war da eine Ruhe, die ich kaum beschreiben kann.
Einfach dastehen, auf den See schauen, die Berge betrachten, die Natur beobachten.
Nichts leisten müssen.
Nichts darstellen müssen.
Einfach sein.
Und in diesem Sein durfte ich für einen Moment die Welt loslassen.
Nicht die Schöpfung – sondern das, was wir Menschen oft daraus machen.
Druck, Gedanken, Verpflichtungen.
All das trat in den Hintergrund.
Und übrig blieb eine einfache, klare Ruhe.
Zu diesem freien Tag gehörte auch ein Besuch im Forum Schweizer Geschichte Schwyz.
Ein Ort, der sich mit der Geschichte beschäftigt, mit dem, was war und wie sich alles entwickelt hat.
Und auch das hat sich auf eine gewisse Weise mit dem verbunden, was ich draußen erlebt habe.
Denn während die Natur zeigt, wie alles immer wieder neu entsteht, erinnert uns die Geschichte daran, dass vieles gewachsen ist.
Dass Wege entstanden sind, lange bevor wir sie selbst gehen.
Und dass hinter dem, was wir sehen, oft mehr liegt, als wir auf den ersten Blick erkennen.
Nach diesem Tag ging es dann wieder in den gewohnten Rhythmus des Klosterlebens über.
Ein Rhythmus, der ruhig ist, aber trägt.
Ich durfte im Klosterladen mithelfen, Dinge beschriften und einfache Aufgaben übernehmen.
In der Buchbinderei durfte ich ebenfalls wieder mithelfen.
Dort habe ich beim Ordnen und Sortieren von Materialien unterstützt, insbesondere beim Zusammenstellen und Beschriften von Kartons, in denen Inhalte nach ihrer Größe neu eingeordnet wurden.
Dabei bin ich auf etwas gestoßen, das mich besonders berührt hat.
Alte Fotografien von Mönchen und Ordensschwestern.
Teilweise aus dem Jahr 1896.
( Hab leider vergessen Bilder zu machen hab nur 2)
Gruppenbilder, auf denen genau festgehalten war, wer dort zu sehen ist, in welcher Reihe sie stehen und welchen Dienst sie erfüllt haben.
Ich habe den Ort erkannt.
Und doch war es eine andere Zeit.
Eine andere Welt.
Gleicher Ort, aber ein völlig anderer Abschnitt der Geschichte.
Und genau das hatte etwas sehr Tiefes.
Es hat mir gezeigt, dass wir immer nur einen kleinen Ausschnitt erleben.
Dass es Zeiten gab, in denen andere Menschen an genau den Orten gelebt haben, die wir heute unser Zuhause nennen.
Menschen, die wir nie kennengelernt haben.
Und trotzdem sind wir mit ihnen verbunden, weil wir denselben Ort teilen – nur in einer anderen Zeit.
Und vielleicht liegt genau darin auch ein wichtiger Gedanke:
Dass wir die Menschen, die jetzt um uns sind, wirklich schätzen sollten.
Denn sie sind unsere Zeitlinie.
Die, mit denen wir diesen Abschnitt unseres Lebens teilen.
Mit denen wir Erfahrungen machen, wachsen, lernen und uns gegenseitig tragen.
Nicht nur im Glauben, sondern auch menschlich.
Im Garten habe ich ebenfalls weiter an den Wegen gearbeitet, habe Unkraut entfernt und die Flächen freigelegt.
Auch das ist eine stille Arbeit.
Eine, die Geduld braucht.
Und die zeigt, dass Ordnung oft Schritt für Schritt entsteht.
Begleitet wurde ich dabei auch diese Woche wieder von Heidi, der Klosterkatze.
Verspielt wie immer, lebendig und gleichzeitig irgendwie ein Teil dieser Ruhe.
Auch das Ministrieren durfte ich weiter vertiefen.
Ein Dienst, der äußerlich klein wirkt, aber innerlich viel bewegt.
Und zwischen all diesen Momenten liegt dieser einfache, aber kraftvolle Ablauf:
Gebet, Arbeit, Stille
(„Ora et labora et lege“ – bete, arbeite und lies)
Und Menschen, die diesen Weg gemeinsam gehen.
Am Wochenende durfte ich dann nochmal hinausgehen.
Diesmal hier rund um Einsiedeln.
Kein großes Wandern, eher ein ruhiger Spaziergang.
Und doch hatte auch das wieder etwas Besonderes.
Die Luft war warm, fast schon frühlingshaft.
Und gleichzeitig konnte man in der Ferne noch die verschneiten Berge sehen.
Ein Bild, das Gegensätze vereint.
Wärme und Kälte.
Winter und Frühling.
Und vielleicht spiegelt genau das auch unser Inneres wider.
Dass beides gleichzeitig da sein kann.
Dass nicht alles sofort verschwinden muss, damit Neues entstehen kann.
Ein weiterer Moment, der mich diese Woche beschäftigt hat, war ein Gespräch mit einem Mönch.
Ein ruhiges, aber sehr tiefes Gespräch.
Wir haben darüber gesprochen, wie komplex eigentlich alles ist.
Alles, was existiert.
Sei es der Mensch.
Sei es ein Tier.
Sei es eine kleine Feldmaus.
Oder sogar ein Wurm in der Erde.
Die Erde selbst, aus der alles wächst.
Die Luft, die wir alle brauchen.
Das Wasser, das alles nährt.
Alles steht in einem Zusammenhang.
Alles folgt einem gewissen Zyklus.
Ein Kreislauf, der sich immer wieder zeigt – im Großen wie im Kleinen.
Und der Mensch ist ein Teil davon.
Aber gleichzeitig ist der Mensch oft das einzige Wesen, das sich bewusst dagegenstellt.
Das versucht, sich diesem natürlichen Rhythmus zu entziehen.
Ein weiterer Gedanke kam aus einer Predigt von Novize Carsten.
Er hat über Die Chroniken von Narnia gesprochen.
Dort geht es unter anderem um vier Jugendliche, die durch eine Tür – einen Kleiderschrank – in eine andere Welt gelangen.
Und genau daran hat er etwas deutlich gemacht:
Türen sind Öffnungen.
Sie sind nicht dafür da, dass wir nur vor ihnen stehen bleiben.
Sondern dass wir durch sie hindurchgehen.
Und vielleicht stehen wir im Leben oft genau davor.
Vor Möglichkeiten.
Vor neuen Wegen.
Und zögern.
Bleiben stehen.
Fragen uns, was dahinter ist.
Aber manchmal geht es nicht darum, alles vorher zu wissen.
Sondern den Schritt zu gehen.
Durchzugehen.
Und zu erfahren, was sich dahinter verbirgt.
Ob wir es am Ende als gut oder schwer empfinden, spielt vielleicht gar nicht die größte Rolle.
Sondern dass wir überhaupt gegangen sind.
Wenn ich diese Woche zusammenfassen müsste, dann würde ich sagen:
Es ging ums Aufblühen.
Nicht laut, nicht plötzlich.
Sondern still.
Von innen heraus.
Durch Momente der Ruhe.
Durch das Loslassen.
Durch das einfache Unterwegssein.
Und durch Gedanken und Gespräche, die den Blick weiten.
Manchmal müssen wir nicht mehr tun.
Manchmal müssen wir nur stehen bleiben, schauen und zulassen, dass etwas in uns wieder lebendig wird.
So wie die Natur es uns jeden Tag vormacht.
Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen bringen werden und wohin mich dieser Weg noch führt.
Danke für eure Aufmerksamkeit und dass ihr diesen Weg ein Stück mit mir geht.
Ich wünsche dir eine gesegnete Zeit und dass auch du immer wieder Momente findest, in denen dein inneres Herz neu aufblühen darf.

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