Woche 9 im Kloster

Herzlich Willkommen zu einem neuen Eintrag meines Blogs.


Ich hoffe, du hattest eine gesegnete Zeit und konntest auch in diesen Tagen immer wieder Momente der Ruhe finden.


Diese Woche war leise  und gleichzeitig auf eine ganz eigene Weise erfüllend.


Woche neun hat für mich damit begonnen, dass ich nicht allein war. Ich hatte die ganze Woche über einen Begleiter an meiner Seite. Sein Name ist Jannis, er ist 17 Jahre alt und ein Mensch, der mich auf eine stille Art beeindruckt hat. Für sein Alter trägt er eine Tiefe in sich, die man nicht oft findet. Er weiß, was er will und noch mehr: Er geht diesen Weg auch. Klar, entschlossen, ohne viel Zweifel. Das zu sehen, war für mich etwas Besonderes.


Er durfte diese Woche als Klosterzeitler den Alltag hier miterleben, und so sind wir gemeinsam durch die Tage gegangen  durch Arbeit, Gebet und Stille. Die einfachen Dinge. Viel Zeit haben wir im Garten verbracht, haben Wege gemacht, Unkraut entfernt und einfach gearbeitet. Dinge, die nach außen hin unscheinbar wirken, aber innerlich Ruhe schenken. Auch im Klosterladen waren wir tätig und haben kleinere Aufgaben übernommen. Und dabei war immer diese ruhige, aber präsente Begleitung da.


Diese Woche war auch deshalb so ruhig, weil „Lesse“ war eine Zeit, die fast wie Urlaub wirkt. Viele Mönche waren nicht da, und beim Essen saßen wir teilweise nur zu achtzehnt da, wo sonst etwa vierzig zusammenkommen. Man hat den Unterschied gespürt. Es war leerer, aber nicht im negativen Sinn. Eher weit. Als würde der Raum größer werden und gleichzeitig auch innerlich mehr Platz entstehen.


Bis Donnerstag blieb diese Ruhe bestehen – eine Ruhe, die nicht langweilig war, sondern tragend. Am Donnerstag hat sich diese Stille dann auf eine besondere Weise verändert. Ich durfte dabei helfen, die Impulstage vorzubereiten, bei denen über 160 Menschen für zwei Tage ins Kloster kommen konnten, um Einblicke in dieses Leben zu bekommen. Plötzlich war wieder mehr Bewegung da, mehr Stimmen, mehr Leben. Und doch blieb diese innere Ruhe irgendwie bestehen.



Für diese Tage waren auch besondere Gäste da, unter anderem Abt Bernhard aus dem Stift Kremsmünster. Auch ein Bischof war anwesend. Viele Wege und Berufungen sind hier für einen Moment zusammengekommen, und ich durfte einfach mithelfen im Kleinen, aber als Teil von etwas Größerem.


In dieser Woche gab es auch viele Gespräche, die hängen geblieben sind, besonders mit Bruder Clemens. Gespräche, die nicht oberflächlich bleiben, sondern tiefer gehen und etwas im Inneren bewegen. Und wie so oft war auch Heidi, die Klosterkatze, mit dabei  verspielt, ruhig und einfach Teil dieses Alltags.



Ein besonderer Moment war der Mittwochabend. Wir wurden von Abt Urban eingeladen, mit nach Zürich zu kommen, wo ein Jugendgottesdienst stattfand. Dieser Abend hatte eine ganz eigene Dynamik. Viele junge Menschen – ich würde sagen zwischen 17 und 25 Jahren  und es waren wirklich viele, vielleicht um die hundert. Ein Raum voller Leben und gleichzeitig voller Suche.


Abt Urban hat den Gottesdienst gehalten, und seine Predigt hat mich berührt. Er hat über Süchte gesprochen  ganz offen und ehrlich. Egal, woran wir hängen: Der erste Schritt ist, es sich einzugestehen. Nicht wegzuschauen, sondern hinzusehen. Und genau dort beginnt Veränderung.


Nach dem Gottesdienst sind wir noch gemeinsam essen gegangen ganz einfach, ein Döner zusammen mit Abt Urban mitten in Zürich. Und auch das hatte etwas Schönes. Etwas Echtes. Glaube passiert nicht nur im Gebetshaus, sondern auch in solchen Momenten.



Am Samstag durfte ich Jannis noch die Umgebung von Einsiedeln zeigen. Wir sind ein Stück den Berg hinaufgelaufen, einfach damit er die Aussicht sehen kann  die Weite, die Stille. Manchmal sagt ein Blick mehr als viele Worte.


Und dann kam der heutige Sonntag ein Tag, der herausgestochen ist. Novize Carsten hat sein dreijähriges Gelübde abgelegt und ist nun Frater Carsten. Ein Schritt, der nicht laut ist, aber unglaublich tief. Sich für drei Jahre bewusst an diesen Weg zu binden, sich hinzugeben, sich festzulegen  und das nicht aus Zwang, sondern aus Überzeugung.


Ich durfte dabei sein, und es hat etwas in mir bewegt. Zu sehen, wie klar und bewusst er diesen Schritt gegangen ist, hat mich sehr beeindruckt und mir Mut gegeben, auch über meinen eigenen Weg nachzudenken und vielleicht eines Tages selbst so eine Entscheidung zu treffen.


Im Laufe der Woche war auch eine Wallfahrtsgruppe aus Luzern hier. Viele unterschiedliche Menschen, viele Geschichten und einige Begegnungen, die im Gedächtnis bleiben.


Der heutige Abend hat dann ruhig geendet  gemeinsam mit Frater Carsten, seinen Eltern und seinem Bruder Benno Maria. Wir saßen zusammen, haben geredet, etwas getrunken und den Abend einfach ausklingen lassen. Ehrlich, ruhig und genau richtig so.


Wenn ich diese Woche zusammenfassen müsste, dann würde ich sagen: Es war eine Woche des Einklangs. Nicht viel Außergewöhnliches und doch so viel Tiefe.


Ich habe gemerkt, wie sehr eine Gemeinschaft prägt, wenn Menschen versuchen, nach dem Wort Gottes zu leben. Dann verändert sich etwas  die Atmosphäre, die Begegnungen und auch das eigene Herz.


Dabei kam mir ein Vers aus dem Johannesevangelium in den Sinn: Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Und alles ist durch dieses Wort geworden.


Wenn man sich darauf ausrichtet und versucht, danach zu leben, entsteht ein Einklang, der über Arbeit und Gebet hinausgeht. Es wird eins. Und plötzlich spielt es keine Rolle mehr, ob man gerade arbeitet, betet oder einfach nur da ist  weil alles Teil desselben Weges wird.


Ein ruhiger, aber lebendiger Fluss.


Und genau das habe ich diese Woche gespürt.


Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen bringen werden und wohin mich dieser Weg noch führt.


Danke, dass du diesen Weg mit mir gehst.


Ich wünsche dir eine gesegnete Zeit und Momente, in denen auch du diesen inneren Einklang spüren darfst.


Kommentare

  1. Es würde mich freuen wenn du etwas darauf eingehen könntest was diese Stille von der du schreibst in dir macht. Fällt sie dir manchmal schwer und würdest du dir wünschen das mehr los ist? Worüber denkst du nach/betest du oder kommst du auch in deinem inneren zu einer Ruhe? Vielen Dank für deine tollen Beiträge!

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