Woche 11 im Kloster

 Herzlich Willkommen zu einem neuen Eintrag meines Blogs.



Ich hoffe, du hattest eine gesegnete Zeit und konntest auch in den letzten Tagen immer wieder Momente finden, in denen du innerlich zur Ruhe kommen konntest.


Diese Woche im Kloster war auf eine gewisse Weise ganz normal  und gleichzeitig trotzdem wieder voller kleiner Momente, Gespräche und Eindrücke, die etwas hinterlassen haben.


Der Alltag hier ging wie gewohnt weiter. Ich durfte weiterhin im Klosterladen mithelfen und habe diese Woche hauptsächlich Rosenkränze gemacht. Auch im Garten waren wir wieder tätig. Ich habe unter anderem den Rasen gemäht und Brennnesseln samt Wurzel entfernt, damit dort neue Pflanzen eingesetzt werden können. Es sind einfache Arbeiten, aber gerade diese einfachen Tätigkeiten haben hier etwas sehr Ruhiges und Erdendes.


Da diese Woche Christi Himmelfahrt war, war vieles etwas lockerer und anders verteilt. In der Buchbinderei wurde zum Beispiel nicht gearbeitet, und allgemein war die Woche geprägt von vielen Begegnungen und Gesprächen mit neuen Menschen, die hierhergekommen sind.


Besonders war diese Woche auch der Besuch von Kardinal Kurt Koch. Er war hier im Kloster und hat die Gottesdienste geleitet. Was mich an ihm beeindruckt hat, war seine Ausstrahlung. Er wirkte sehr bodenständig und ruhig. Manche Menschen betreten einen Raum und man merkt sofort eine gewisse Präsenz  nicht laut oder aufgesetzt, sondern ruhig und echt. Genau so habe ich ihn wahrgenommen.


Außerdem waren auch wieder verschiedene Führungen und Vertreter aus dem Kanton Schwyz hier zu Besuch, wodurch immer wieder neue Begegnungen entstanden sind. Und genau das mag ich mittlerweile hier sehr: dass man ständig Menschen mit völlig unterschiedlichen Hintergründen kennenlernt und trotzdem oft merkt, dass viele innerlich nach denselben Dingen suchen – Ruhe, Sinn, Frieden oder einfach einen Ort zum Durchatmen.


Der prägendste Teil dieser Woche begann aber am Freitag.



Ich wurde von Pater Mauritius und Pater Justinus eingeladen, gemeinsam ins Kloster Mariastein zu fahren. Zusammen mit Kandidat Max und Frater Carsten haben wir uns auf den Weg gemacht.


Auf der Hinfahrt machten wir zuerst Halt bei einem orthodoxen Kloster in Beinwil. Dort leben fünf orthodoxe Mönche. Besonders interessant fand ich, dass dieses Kloster nicht nur einer einzelnen orthodoxen Tradition folgt, sondern verschiedene Traditionen miteinander verbindet – russisch-orthodox, griechisch-orthodox, rumänisch-orthodox und andere Einflüsse kommen dort zusammen.



Die Mönche haben uns ihr kleines Kloster gezeigt. Es war nicht groß, aber unglaublich gemütlich und friedlich eingerichtet. Danach haben sie uns zu Kaffee und Kuchen eingeladen. Der Tisch war voller Tee, Kaffee, Kekse, Kuchen und verschiedenster Süßspeisen. Diese Gastfreundschaft war wirklich wunderschön und man hat gespürt, wie viel Herzlichkeit darin steckt.


Danach ging es weiter nach Mariastein.


Dort angekommen wurden wir direkt herzlich empfangen und haben zuerst den Hund des Klosters kennengelernt – Jimmy. Während wir in Einsiedeln unsere Klosterkatze Heidi haben, gibt es dort eben einen Klosterhund.


Nach dem Mittagsgebet ging es direkt zum Mittagessen und anschließend saßen wir noch lange zusammen bei Kaffee, Gesprächen und einem kleinen Schnaps. Dabei haben wir die Mönche dort kennengelernt, den Abt und auch weitere Gäste. Diese Gespräche gingen über eine Stunde und hatten etwas unglaublich Ruhiges und Echtes.


Danach wurden wir durch das gesamte Kloster geführt.



Und ehrlich gesagt: Dieses Kloster hat mich tief beeindruckt.


Das Kloster Mariastein ist wunderschön. Nicht auf eine moderne, luxuriöse Weise, sondern auf eine sehr tiefe und nostalgische Art. Dort leben nur noch etwa fünfzehn Mönche, und sie sind bereits alle sehr alt. Soweit ich weiß, ist sogar der  Abt mit ungefähr 72 Jahren der zweit Jüngste dort.


Und trotzdem ist dort alles voller Leben.


Die Gänge, die Gärten, die Zellen der Mönche – alles war unglaublich gepflegt. Die Hecken waren perfekt geschnitten, die Räume wunderschön erhalten und gleichzeitig modern erneuert, ohne dass die alten Traditionen verloren gegangen sind.



Genau dieses Zusammenspiel von Alt und Neu hat mich dort so bewegt.


Man hat gespürt, dass Traditionen nicht überleben, weil Menschen zwanghaft an ihnen festhalten, sondern weil sie Frucht bringen. Weil sie einen echten Wert haben. Generationen tragen solche Dinge nur weiter, wenn darin etwas Lebendiges steckt.


Und genau das habe ich dort gespürt.


Diese alten Traditionen hatten trotz moderner Renovierungen und neuer Strukturen immer noch dieselbe Atmosphäre in sich. Das hat mir wieder gezeigt, dass viele Menschen ein falsches Bild von Gott oder vom klösterlichen Leben haben. Viele denken dabei an etwas Verstaubtes oder Vergangenes.


Aber das stimmt nicht.



Es kann modern sein. Es kann wunderschön sein. Entscheidend sind die Werte, die dahinterstehen.


Und wenn diese Werte wirklich gelebt werden, dann bleibt etwas bestehen.


Dann trägt es Generationen.


Das hat mich tief berührt.


Denn dort wurde mir klar: Moderne und Altertümliches werden nicht durch Gott begrenzt – sie bekommen durch Gott Bestand.


Alles, was existiert, kann durch Gott Bestand haben.



Und wenn etwas wirklich von Gott erfüllt ist, dann bleibt die Atmosphäre bestehen, selbst wenn sich die Mauern verändern.


Egal wie oft man die Mauern erneuert – die Atmosphäre bleibt immer gleich.


Gestern, am Samstag, bekam ich dann Besuch von meiner Familie. Mein Bruder, meine Mutter und die Freundin meines Bruders kamen nach Einsiedeln und wir durften gemeinsam Zeit verbringen. Bruder Alexander hat für sie einen wunderschönen Rundgang durch das Kloster gemacht und ihnen vieles gezeigt.


Danach habe ich ihnen noch das Naturalienkabinett mit den ausgestopften Tieren gezeigt, was sie ebenfalls sehr beeindruckt hat. Allgemein waren sie sehr begeistert von diesem Ort und es war schön, ihnen einmal meinen Alltag hier zeigen zu können.


Außerdem durften sie mich beim Ministrieren begleiten und beobachten, was ich sowohl am Samstag als auch heute am Sonntag machen durfte.


Und so ist wieder eine weitere Woche meiner Klosterzeit vergangen.


Eine Woche, die mir erneut gezeigt hat, dass Dinge nur dann über Generationen bestehen bleiben, wenn sie wirklich mit Leben gefüllt sind.


Und vielleicht gilt das nicht nur für Klöster oder Traditionen, sondern auch für uns Menschen selbst.



Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen bringen werden und wohin mich dieser Weg noch führt.


Danke, dass du diesen Weg mit mir gehst.


Ich wünsche dir eine gesegnete Zeit und Momente, in denen auch du spüren darfst, was wirklich Bestand hat.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Erste Woche im Kloster

Zweite Woche im Kloster

Woche 10 im Kloster