Woche 12 im Kloster

 Herzlich Willkommen zu einem neuen Eintrag meines Blogs.


Ich hoffe, du hattest eine gesegnete Zeit und konntest auch in den letzten Tagen immer wieder Momente finden, in denen du innerlich zur Ruhe kommen konntest.



Diese Woche war wieder eine sehr schöne Woche. Und obwohl sie irgendwie schnell vorbeigegangen ist, war sie gleichzeitig voller kleiner Begegnungen und Momente, die auf ihre eigene Weise etwas hinterlassen haben.


Ich hatte diese Woche wieder einen Begleiter an meiner Seite. Er hat mich im Alltag begleitet – hauptsächlich im Klosterladen und bei der Gartenarbeit. Im Klosterladen haben wir zusammen Dinge angeschrieben, gearbeitet und vor allem viel miteinander geredet.


Es war schön, ihn kennenzulernen.


Er ist erst 15 Jahre alt und trotzdem ein sehr interessanter Mensch. Vor allem habe ich gemerkt, dass er ein sehr suchender Mensch ist. Und ich meine das im positiven Sinn. Er ist wach, aufmerksam und man merkt, dass er sich viele Gedanken macht. Für sein Alter fand ich das wirklich bewundernswert.


Im Garten durfte ich diese Woche ebenfalls wieder mithelfen und die Arbeiten dort haben wie immer etwas sehr Beruhigendes. Es sind oft einfache Tätigkeiten, aber gerade diese einfachen Dinge schenken einem oft eine besondere Ruhe.


Diese Woche durfte ich außerdem sehr oft ministrieren. Ich glaube insgesamt achtmal – morgens und in der Vesper.



Und etwas ganz Besonderes war die Wallfahrt der heiligen Rita.


Ich durfte dort beim Ministrieren helfen und diesmal waren wir nur zu viert: Pater Philipp, Bruder Benno Maria, ein Pfarrer, der diese Wallfahrt seit vielen Jahren begleitet und ich.


Es war ein ganz anderes Gefühl als sonst.


Dadurch, dass wir so wenige waren und ich wirklich Teil des gesamten Ablaufs war, habe ich alles viel bewusster wahrgenommen. Es hatte etwas sehr Persönliches und gleichzeitig etwas sehr Feierliches.


Ich glaube sogar, dass es bisher mein schönstes Erlebnis beim Ministrieren war.


Die heilige Rita wird oft als Heilige der unmöglichen Situationen bezeichnet. Viele Menschen wenden sich an sie, wenn sie keinen Ausweg mehr sehen oder wenn Dinge menschlich betrachtet hoffnungslos erscheinen.


Und irgendwie fand ich das schön.


Denn oft erleben wir im Leben Situationen, in denen wir selbst denken, dass etwas unmöglich geworden ist. Und trotzdem entstehen manchmal genau dort Wege, die wir vorher gar nicht sehen konnten.


Am Donnerstag durfte ich dann wieder ins Archiv.


Zusammen mit Beard haben wir weiter an der Ordnung gearbeitet und diesmal konnten wir die Arbeiten rund um die Unterlagen von Pater Matthäus größtenteils abschließen.


Wir haben Regale umgebaut, Metallgitter neu eingesetzt und dadurch viel Platz geschaffen. Eigentlich klingt das erstmal nach einer einfachen Sache, aber wenn man sieht, wie aus etwas Ungeordnetem plötzlich Ordnung entsteht, hat das irgendwie auch etwas Schönes.



Man merkt dabei oft, dass schon kleine Veränderungen langfristig einen großen Unterschied machen können.


Außerdem hatte ich wieder Katechismusunterricht mit Pater Gerhard.


Diesmal ging es weniger um ein konkretes Thema, sondern eher um Extreme im Glauben. Wir haben darüber gesprochen, wie Menschen Dinge manchmal so extrem leben können, dass sie am Ende mehr zerstören als aufbauen – egal ob im Christentum, im Islam, im Buddhismus oder anderen Richtungen.


Das Gespräch war sehr interessant, weil es wieder gezeigt hat, dass es oft nicht um die bloße Zugehörigkeit geht, sondern darum, wie man etwas lebt.


Und gegen Ende der Woche kam noch etwas sehr Schönes dazu:


Reto ist angekommen ,ein neuer Klosterzeitler.


Und ich habe mich wirklich sehr darüber gefreut.


Wir hatten direkt ein sehr tiefes und intensives Gespräch und ich habe ihn als unglaublich liebevollen und tiefgründigen Menschen kennengelernt.


Manchmal begegnet man Menschen und merkt schon nach kurzer Zeit, dass sie etwas in sich tragen, das schwer zu beschreiben ist.


Eine Tiefe.


Eine Wärme.


Eine Geschichte.


Und genau so war es bei ihm.


Außerdem war Jannis wieder zu Besuch und gestern durften wir sogar gemeinsam ministrieren, was mich ebenfalls sehr gefreut hat.


Wenn ich diese Woche zusammenfassen müsste, dann würde ich sagen:


Sie war vielleicht nicht so geistlich intensiv wie andere Wochen.


Aber sie war unglaublich lebendig.


Ich habe diese Woche gemerkt, dass Gott sich nicht nur in großen geistlichen Momenten zeigt.


Nicht nur im Gebet.


Nicht nur während einer Messe.


Nicht nur während stiller Stunden.


Sondern mitten im Leben.


In Gesprächen.


In Begegnungen.


Im Arbeiten.


Im gemeinsamen Lachen.


Im Kennenlernen neuer Menschen.


Und genau das hat diese Woche für mich so besonders gemacht.


Der Tod gehört zwar genauso zum Leben wie die Freude, und ich spreche oft darüber. Aber diese Woche hat mir vor allem gezeigt, wie sehr Gott uns das Leben selbst offenbart.


Egal, ob wir geistlich aktiv sind oder gerade mitten im Alltag stehen.


Egal, ob wir beten, arbeiten oder einfach nur zusammensitzen.


Gott verbirgt sein Angesicht niemals vor uns.


Und ich glaube, das ist vielleicht eines der schönsten Dinge, die wir überhaupt wissen dürfen.


Diese Woche durfte man einfach sein.


Nicht funktionieren.


Nicht etwas darstellen.


Einfach Teil dessen sein, was Gott gerade schenkt.


Und genau das hat diese Woche so schön gemacht.


Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen bringen werden und wohin mich dieser Weg noch führt.


Danke, dass du diesen Weg mit mir gehst.


Ich wünsche dir eine gesegnete Zeit und Momente, in denen auch du immer wieder erkennen darfst, dass Gott sich manchmal gerade in den einfachsten Dingen offenbart.



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