Woche 13 im Kloster
Herzlich Willkommen zu einem neuen Eintrag meines Blogs.
Ich hoffe, du hattest eine gesegnete Zeit und konntest auch in den letzten Tagen immer wieder Momente finden, in denen du innerlich zur Ruhe kommen konntest.
Diese Woche war eine dieser Wochen, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken, aber gerade dadurch ihren eigenen Charme haben. Sie war ruhig, entspannt und voller kleiner Momente, die das Klosterleben so besonders machen.
Der Alltag begann wie gewohnt mit der Arbeit im Klosterladen. Dort durfte ich wieder mithelfen und die verschiedensten Aufgaben übernehmen. Es ist mittlerweile eine Arbeit geworden, die mir sehr vertraut ist und die auf ihre eigene Weise etwas Beruhigendes hat.
Auch im Garten waren wir wieder unterwegs. Diesmal allerdings auf eine etwas andere Art. Wir mussten mit Brennern das Unkraut entfernen, was erstaunlich viel Spaß gemacht hat. Bei den sommerlichen Temperaturen wurde es dabei allerdings schnell sehr heiß. Zum Glück wurden wir zwischendurch mit dem Gartenschlauch abgespritzt. Am Ende waren wir komplett durchnässt, aber genau das war bei dieser Hitze eigentlich perfekt. Es war einer dieser Momente, in denen Arbeit und Freude ganz selbstverständlich zusammenkommen.
Am Donnerstag durfte ich wieder mit Beard im Archiv arbeiten. Diesmal ging es unter anderem um die Vorbereitung eines Fluchtplans für den Brandfall. Dafür haben wir verschiedene Wege im Kloster abgelaufen, Aufzüge vermessen und geschaut, welche Gegenstände im Ernstfall hinderlich sein könnten.
Daneben haben wir wieder historische Bilder eingeordnet. Viele davon stammten aus der Zeit von Abt Heinrich und reichten bis ins 19. Jahrhundert zurück. Es ist immer wieder faszinierend, durch solche Fotografien in eine andere Zeit zu blicken. Man erkennt dieselben Mauern, dieselben Orte und doch eine völlig andere Generation von Menschen. Irgendwie wird einem dabei bewusst, wie viele Menschen diesen Ort geprägt haben, lange bevor wir selbst hier angekommen sind.
In dieser Woche waren außerdem mehrere indische Bischöfe zu Besuch. Es war sehr interessant, sie kennenzulernen. Besonders beeindruckt hat mich, wie viele Sprachen sie beherrschten. Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch, Hindi und noch weitere. Es war faszinierend zu sehen, wie selbstverständlich sie zwischen den verschiedenen Sprachen wechseln konnten. Gleichzeitig waren sie sehr freundliche und offene Menschen, mit denen man gerne ins Gespräch gekommen ist.
Ein besonderes Highlight der Woche war für mich erneut die Begegnung mit Kardinal Kurt Koch.
Er war wieder hier im Kloster und diesmal ergaben sich nicht nur einige Gespräche, sondern auch eine ganz besondere Begegnung während der Rekreation. Ich hatte die Ehre, direkt neben ihm zu sitzen und dadurch länger mit ihm ins Gespräch zu kommen.
Besonders gefreut hat mich, dass wir über meinen Lieblingspapst sprechen konnten: Papst Benedikt XVI.
Kardinal Koch wurde selbst von Papst Benedikt XVI. zum Kardinal ernannt und durfte viele Jahre mit ihm zusammenarbeiten. Deshalb war es für mich etwas ganz Besonderes, aus erster Hand einige persönliche Eindrücke über ihn zu hören. Wir sprachen darüber, wie Papst Benedikt gearbeitet hat, wie er menschlich war und wie andere Menschen ihn erlebt haben.
Es sind solche Momente, in denen Geschichte plötzlich ganz nah wird.
Menschen, die man bisher nur aus Büchern, Dokumentationen oder Predigten kennt, werden auf einmal greifbar, weil jemand vor einem sitzt, der sie persönlich gekannt hat.
Später durfte ich Kardinal Koch noch auf sein Zimmer begleiten. Auf dem Weg dorthin haben wir weiter miteinander gesprochen. Dabei konnte ich ihm auch etwas über meinen eigenen Weg, meine Zukunft und meine Zeit hier im Kloster erzählen.
Umso mehr hat es mich gefreut, dass er sehr interessiert zugehört hat und mir gegenüber viel Wohlwollen gezeigt hat. Seine Worte haben mich ermutigt, meinen Weg weiterzugehen.
Am Ende durfte ich sogar noch seinen persönlichen Segen empfangen.
(Mein Rosenkranz auch)
Das war für mich ein Moment, den ich sicherlich nicht so schnell vergessen werde.
Außerdem war diese Woche wieder Jannis zu Besuch. Darüber habe ich mich ebenfalls sehr gefreut. Es ist schön zu sehen, wie sich Bekanntschaften hier weiterentwickeln und wie Menschen immer wieder zurückkommen. Heute, am Sonntag, waren wir sogar gemeinsam am See baden und haben die sommerlichen Temperaturen genutzt.
Auch der Katechismusunterricht mit Pater Gerhard fand wieder statt. Diesmal gab es kein festes Thema. Stattdessen entwickelte sich ein offenes Gespräch über die verschiedensten Glaubensrichtungen. Wir sprachen über das Christentum, den Islam, den Buddhismus, den Hinduismus und auch über Sekten und religiöse Extreme. Es war weniger Unterricht im klassischen Sinn und mehr ein gemeinsames Nachdenken über Glauben, Wahrheit und die Suche des Menschen nach Gott.
Ein weiterer besonderer Moment dieser Woche war eine Aufgabe, die man von außen vielleicht leicht übersieht, die für mich aber etwas sehr Bedeutendes hatte.
Gemeinsam mit Bruder Benno Maria, Jannis und Reto durfte ich dabei helfen, die Muttergottes neu einzukleiden.
vorrher
nachher
Während wir dort standen, wurde mir bewusst, was dieser Ort eigentlich für Millionen von Menschen bedeutet.
Seit Generationen pilgern Menschen nach Einsiedeln, um vor der Schwarzen Madonna zu beten, ihre Sorgen abzugeben, Hoffnung zu finden oder einfach einen Moment der Nähe Gottes zu erfahren.
Und genau dieses Gnadenbild, das für so viele Menschen ein Ort des Trostes und der Begegnung mit Gott geworden ist, durfte ich aus nächster Nähe erleben und mitpflegen.
Während wir die Gewänder wechselten, musste ich immer wieder daran denken, wie viele Menschen in den vergangenen Jahrhunderten vor ihr gestanden haben. Wie viele Gebete gesprochen wurden. Wie viele Tränen geflossen sind. Wie viele Hoffnungen hierher getragen wurden.
In diesem Moment wurde mir bewusst, dass wir gerade etwas pflegen durften, das für unzählige Menschen von großer Bedeutung ist.
(Uns selbst natürlich auch)
Und gerade deshalb war sie so besonders.
Wenn ich diese Woche zusammenfassen müsste, dann würde ich sagen:
Sie war geprägt von Begegnungen.
Nicht von großen Ereignissen oder außergewöhnlichen Erlebnissen, sondern von Menschen.
Von Gesprächen.
Von gemeinsamen Arbeiten.
Von kleinen Momenten, die man leicht übersehen könnte.
Und vielleicht liegt genau darin etwas Wichtiges.
Oft erwarten wir die besonderen Erfahrungen nur in den großen Ereignissen. Doch Gott begegnet uns nicht nur in den außergewöhnlichen Momenten unseres Lebens. Manchmal begegnet er uns in einem Gespräch, in einer Begegnung, in einem Lächeln oder einfach in einem gemeinsamen Arbeitstag.
Diese Woche hat mich daran erinnert, dass Gemeinschaft ein Geschenk ist.
Dass jeder Mensch, dem wir begegnen, etwas mitbringt, das wir selbst nicht besitzen.
Und dass wir oft mehr voneinander lernen, als wir zunächst glauben.
So ist wieder eine weitere Woche meiner Klosterzeit vergangen.
Eine Woche voller Arbeit, Begegnungen, Gespräche und vieler kleiner Augenblicke, die zusammengenommen etwas sehr Schönes ergeben haben.
Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen bringen werden und wohin mich dieser Weg noch führt.
Danke, dass du diesen Weg mit mir gehst.
Ich wünsche dir eine gesegnete Zeit und Menschen an deiner Seite, die dein Leben bereichern und dir immer wieder zeigen, wie wertvoll echte Begegnungen sein können.
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