Woche 14 im Kloster
Herzlich Willkommen zu einem neuen Eintrag meines Blogs.
(Bisschen verspätet)
Ich hoffe, du hattest eine gesegnete Zeit und konntest auch in den letzten Tagen immer wieder Momente finden, in denen du innerlich zur Ruhe kommen konntest.
Diese Woche war auf eine ruhige Weise besonders.
Nicht, weil unglaublich viel passiert ist.
Sondern vielleicht gerade deshalb.
Der Alltag ging wie gewohnt weiter. Ich war wieder im Klosterladen tätig, habe dort gearbeitet und die Zeit mit den kleinen Aufgaben verbracht, die mittlerweile ein ganz normaler Teil meines Tages geworden sind.
Im Garten waren wir diese Woche weniger unterwegs, einfach weil das Wetter oft umgeschlagen hat und immer wieder Regen kam. Dadurch war die Woche äußerlich etwas ruhiger.
In der Buchbinderei war ich diese Woche ebenfalls nicht, weil Feiertag war.
Und genau dieser Feiertag wurde zu einem sehr schönen Mittelpunkt der Woche.
Wir haben Fronleichnam gefeiert.
Ein Fest, das im Kloster auf eine ganz besondere Weise erlebt wird.
Nach der feierlichen Messe ging es in die Prozession. Mit dem Allerheiligsten sind wir durch die Kirche und anschließend über den Klosterplatz gezogen. Alles war festlich vorbereitet und gleichzeitig hatte es etwas sehr Ruhiges.
Es ist schwer zu beschreiben, aber solche Momente zeigen einem wieder, dass Glaube nicht nur etwas Innerliches ist, sondern manchmal sichtbar wird im Gehen, im gemeinsamen Beten, im gemeinsamen Tragen. In Einsiedeln wird dieser Tag mit großer Feierlichkeit begangen und man merkt, dass die Eucharistie hier wirklich im Mittelpunkt steht.
Am Freitag ging es dann wieder in den normalen Rhythmus zurück.
Klosterladen.
Katechismus.
Diesmal mit Pater Gerhard und inzwischen auch gemeinsam mit Reto.
Wir hatten kein festes Thema, sondern sind durch viele verschiedene Fragen gegangen. Christentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus, religiöse Extreme und allgemein die Frage, wie Menschen Glauben leben.
Es war weniger Unterricht und mehr gemeinsames Nachdenken.
Diese Woche gab es außerdem wieder viele schöne Gespräche.
Mit Bruder Clemens haben wir Rosenkranz gebetet.
Morgens haben wir wieder mit Bruder Franzisko meditiert.
Und genau da ist mir etwas aufgefallen.
Diese Woche war ich sehr nachdenklich.
Aber nicht so, wie man das normalerweise meint.
Nicht voller Gedanken.
Nicht voller Sorgen.
Sondern fast das Gegenteil.
Es war in mir erstaunlich still.
Ich habe mich diese Woche nicht mit großen Fragen beschäftigt.
Ich habe versucht, das Wasser ruhig zu halten.
Einfach da zu sein.
Nicht jede Emotion festzuhalten.
Nicht jeden Eindruck zu analysieren.
Nicht ständig innerlich schon beim nächsten Moment zu sein.
Und es hört sich vielleicht komisch an, aber genau dadurch wurde vieles intensiver.
Beim Gebet zum Beispiel.
Normalerweise kennt man die Texte. Man weiß schon vorher, was gleich kommt.
Magnifikat.
Vaterunser.
Psalm.
Und innerlich ist man manchmal schon einen Schritt voraus.
Aber diese Woche war das anders.
Ich habe nicht vorausgedacht.
Ich war einfach da.
Und plötzlich wurde alles irgendwie tiefer.
Nicht anders.
Nicht spektakulärer.
Aber echter.
Am Mittwoch durften Reto und ich dann gemeinsam mit Pater Philipp ins Kloster Fahr fahren.
Das war wirklich wunderschön.
Dort durften wir die Benediktinerinnen kennenlernen, gemeinsam frühstücken und die Messe feiern. Außerdem haben wir etwas über die Geschichte des Klosters erfahren.
Und ich muss ehrlich sagen:
Dieser Ort hat mich sehr berührt.
Es war ruhig.
Schön.
Und gleichzeitig voller Leben.
Besonders gefreut hat mich, dass ich an einen Menschen denken musste, von dem ich seit meiner Zeit hier viel gelesen habe – Schwester Silja Walter.
Sie war Benediktinerin im Kloster Fahr und wurde besonders durch ihre Texte, Gedichte und geistlichen Gedanken bekannt. Sie hat viel darüber geschrieben, wie sich Gottes Gegenwart mitten im Alltag zeigen kann.
Und irgendwie hat das zu diesem Tag gepasst.
Danach hat uns Pater Philipp noch die Überreste eines alten Zisterzienserklosters gezeigt.
Heute stehen dort nur noch Spuren.
Und trotzdem hatte dieser Ort etwas.
Als würde Geschichte nicht verschwinden, sondern still weiterleben.
Heute am Sonntag wurden Reto und ich dann noch spontan zu einem Jugendtag eingeladen.
Dort haben wir mit anderen jungen Menschen gesprochen und uns ausgetauscht.
Es war eigentlich nur kurz geplant.
Am Ende wurden daraus aber viele Gespräche und schöne Begegnungen.
Was mich überrascht hat:
Viele Menschen haben uns gesagt, dass wir sie mit unserer Art und unserer Zeit im Kloster bewegt hätten.
Das hat mich gefreut.
Nicht weil es um uns ging.
Sondern weil es mir gezeigt hat, dass man manchmal gar nicht viel tun muss.
Manchmal reicht es einfach, da zu sein.
Und vielleicht war genau das auch das Thema dieser Woche.
Nicht werden.
Nicht leisten.
Nicht ständig suchen.
Sondern einfach sein.
Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen bringen werden und wohin mich dieser Weg noch führt.
Danke, dass du diesen Weg mit mir gehst.
Ich wünsche dir eine gesegnete Zeit und Momente, in denen auch du einfach da sein darfst – ohne etwas leisten oder darstellen zu müssen.
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