Woche 18 im Kloster
Herzlich Willkommen zu einem neuen Eintrag meines Blogs.
Ich hoffe, du hattest eine gesegnete Zeit und konntest auch in den vergangenen Tagen immer wieder Momente finden, in denen du zur Ruhe kommen konntest.
Diese Woche war auf ihre eigene Weise etwas Besonderes.
Mit Beginn der Lese hat sich auch unser Alltag ein wenig verändert. Viele Brüder sind in dieser Zeit unterwegs oder mit anderen Aufgaben beschäftigt. Dadurch durften Reto und ich eine neue Verantwortung übernehmen.
Uns wurde der Fratergarten anvertraut.
Ein Garten, in dem wir zwar schon häufiger gearbeitet haben, den wir diese Woche aber ganz besonders pflegen durften.
Die meiste Zeit verbrachten wir deshalb dort.
Wir pflanzten neue Blumen, entfernten verwelkte Pflanzen, jäteten Unkraut, pflückten Lavendel und kümmerten uns um die vielen Schnecken, die sich über die jungen Pflanzen hermachen wollten.
Es war eine Woche, in der man wieder einmal gemerkt hat, wie viel Aufmerksamkeit selbst die kleinsten Dinge brauchen.
Und genau das macht einen Garten irgendwie auch zu einem Spiegel unseres eigenen Lebens.
Wenn wir ihn pflegen, wächst Neues.
Wenn wir ihn vernachlässigen, übernehmen nach und nach die Dinge die Oberhand, die eigentlich gar nicht dort hingehören.
Ein besonderes Erlebnis war die Reinigung des kleinen Teiches.
Dafür ließen wir zunächst das gesamte Wasser ab, fingen anschließend die Goldfische und sogar einige Molche vorsichtig heraus und setzten sie vorübergehend in ein sicheres Becken.
Danach begann die eigentliche Arbeit.
Der Schlamm musste entfernt werden, der Teich wurde gründlich gereinigt und anschließend mit frischen Kieselsteinen neu gestaltet.
Als schließlich wieder frisches Wasser einlief und die Fische zurückkehren konnten, war es ein richtig schönes Gefühl.
Der Teich wirkte wie neu.
Manchmal braucht auch unser eigenes Herz genau das.
Nicht etwas völlig Neues.
Sondern einfach eine Reinigung von dem, was sich über längere Zeit angesammelt hat.
Auch in dieser Woche durfte ich wieder häufig ministrieren.
Durch die begonnenen Schulferien sind weniger Ministranten im Kloster, weshalb ich öfter bei den Gottesdiensten aushelfen durfte.
Für mich ist das nie eine Last.
Ganz im Gegenteil.
Jeder Dienst am Altar erinnert mich daran, warum ich überhaupt hier bin.
Am Donnerstag ging es wie gewohnt wieder ins Archiv zu Beat.
Dort arbeiteten wir erneut an alten Pergamenten.
Wir reinigten sie sorgfältig von Staub und Verschmutzungen und restaurierten beschädigte Stellen.
Es fasziniert mich jedes Mal aufs Neue, wie viel Geduld diese Arbeit verlangt.
Jede Bewegung muss bedacht sein.
Ein kleiner Fehler könnte etwas zerstören, das schon viele Jahrhunderte überdauert hat.
Vielleicht gilt das auch für Beziehungen oder für den Glauben.
Manches wächst nicht durch Geschwindigkeit, sondern durch Geduld.
Auch der Klosterladen gehörte wieder zu meinem Alltag.
Dort durfte ich verschiedene Arbeiten übernehmen, Regale umgestalten, Waren beschriften und das Lager neu ordnen.
Es sind einfache Aufgaben.
Aber gerade diese Einfachheit gehört inzwischen ganz selbstverständlich zu meinem Tagesrhythmus.
Am Freitag hatten wir wieder Katechismusunterricht mit Pater Gerhard.
Diesmal sprachen wir über ein aktuelles kirchliches Thema und tauschten uns darüber aus, was derzeit im Wallis geschieht. Es war ein spannendes Gespräch über Kirche, Verantwortung und Einheit, das noch lange nachgewirkt hat.
Was mich diese Woche aber am meisten bewegt hat, war eine Begegnung mit einem Menschen.
Jemand, dessen Glaube mich tief beeindruckt hat.
Ein Mensch, der ehrlich sucht.
Der Gott wirklich finden möchte.
Und gerade deshalb so viele Fragen stellt.
Im Gespräch sagte er immer wieder, dass er Gott verstehen möchte.
Da wurde mir etwas bewusst.
Vielleicht versuchen wir manchmal zu sehr, Gott zu begreifen.
Doch Gott ist größer als unser Verstand.
Wir können ihn nicht vollständig erklären.
Wir können ihn nicht in ein System pressen.
Und vielleicht ist genau das auch gar nicht nötig.
Ich habe ihm gesagt:
Versuche nicht, alles zu verstehen.
Versuche lieber, Gott anzunehmen.
Setze das um, was du bereits erkannt hast.
Allein die aufrichtige Bereitschaft, seinen Weg zu gehen, ist bereits ein Schritt auf ihn zu.
Nicht alles muss zuerst verstanden werden, bevor man vertrauen kann.
Denn Liebe funktioniert genauso wenig.
Wir verstehen sie nie vollständig.
Und trotzdem können wir sie leben.
Wenn ich diese Woche zusammenfassen müsste, dann würde ich sagen:
Der Glaube beginnt oft nicht dort, wo wir alles verstanden haben.
Sondern dort, wo wir den Mut haben, trotz offener Fragen den nächsten Schritt zu gehen.
Denn Gott verlangt nicht von uns, dass wir alles erklären können.
Er lädt uns ein, ihm zu vertrauen.
Und manchmal ist Vertrauen viel größer als Verstehen.
Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen bringen werden und wohin mich dieser Weg noch führt.
Danke, dass du diesen Weg mit mir gehst.
Ich wünsche dir eine gesegnete Zeit und den Mut, Gott nicht immer nur verstehen zu wollen, sondern ihm Schritt für Schritt dein Vertrauen zu schenken.
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