Woche 20 im Kloster
Herzlich Willkommen zu einem neuen Eintrag meines Blogs.
Ich hoffe, du hattest eine gesegnete Zeit und konntest auch in den vergangenen Tagen immer wieder Momente finden, in denen du zur Ruhe kommen konntest.
Heute ist bereits der 20. Eintrag meines Klosterblogs.
Wenn ich daran denke, dass ich inzwischen schon 20 Wochen hier im Kloster Einsiedeln verbringen durfte, erfüllt mich das mit großer Dankbarkeit.
Vor zwanzig Wochen kam ich hier an – mit vielen Fragen, Erwartungen und einer gewissen Nervosität. Ich wusste nicht, was mich erwarten würde und wie sehr mich diese Zeit verändern würde.
Seitdem durfte ich unzählige Menschen kennenlernen, viele tiefgehende Gespräche führen, neue Freundschaften schließen und jeden Tag aufs Neue erfahren, was es bedeutet, nach dem benediktinischen Rhythmus von Ora et labora – bete und arbeite – zu leben.
Ich durfte im Garten arbeiten, im Archiv jahrhundertealte Dokumente restaurieren, im Klosterladen mithelfen, unzählige Male ministrieren und viele besondere Begegnungen erleben – mit Mönchen, Pilgern, Besuchern und Menschen aus den unterschiedlichsten Lebenssituationen.
Vor allem aber durfte ich lernen, dass Gott oft nicht im Außergewöhnlichen spricht, sondern in den einfachen und stillen Momenten des Alltags.
Wenn ich auf diese zwanzig Wochen zurückblicke, dann merke ich vor allem eines:
Ich bin dankbar.
Dankbar für alles, was ich erleben durfte, für alles, was mich herausgefordert hat, und für alles, was Gott mir in dieser Zeit gezeigt hat.
Doch nun zur vergangenen Woche.
Auch sie stand noch ganz im Zeichen der Lese.
Es war weiterhin eine sehr ruhige Woche. Der Alltag bestand größtenteils aus den gewohnten Arbeiten im Klosterladen und im Garten. Im Klosterladen durfte ich wieder Waren beschriften, Regale ordnen und bei den alltäglichen Aufgaben mithelfen. Im Garten ging die Pflege der Anlagen weiter, und zwischendurch durfte ich Pater Thomas dabei helfen, ein Zimmer auszuräumen und neu zu ordnen.
Natürlich gehörte auch das Ministrieren wieder zu meinem Alltag und begleitete die Woche wie selbstverständlich.
Äußerlich war diese Woche also eher ruhig.
Und trotzdem hat man gemerkt, wie sich langsam wieder etwas verändert.
Nach und nach kehrten die Mönche aus der Lese zurück.
Mit jedem Bruder, der wieder ins Kloster kam, wurde es ein kleines Stück lebendiger.
Plötzlich hörte man wieder mehr Stimmen auf den Gängen, beim Essen entstanden längere Gespräche, und überall spürte man, wie neues Leben zurückkehrte.
Es erinnerte mich ein wenig an einen Garten.
Nach einer ruhigen Zeit scheint zunächst alles still zu sein.
Doch sobald die Sonne wieder scheint, beginnt alles neu aufzublühen.
So ähnlich fühlte sich auch das Kloster an.
Am Sonntag durften wir dann gemeinsam mit Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz aus dem Erzbistum Paderborn die Heilige Messe feiern.
Ich durfte zusammen mit sechs weiteren Ministranten am Altar dienen.
Es war ein feierlicher Gottesdienst, der diese Woche auf eine schöne Weise abgeschlossen hat.
Auch in dieser Woche durfte ich wieder viele Besucher kennenlernen.
Einige Gesichter waren inzwischen schon vertraut. Das hat mich besonders gefreut, denn über die vergangenen Monate entstehen hier immer wieder Begegnungen, aus denen nach und nach echte Freundschaften werden.
Abends saßen wir noch gemeinsam zusammen, spielten ein Spiel oder ließen den Tag bei guten Gesprächen gemütlich ausklingen.
Wenn ich diese Woche – und vielleicht auch die vergangenen zwanzig Wochen – in einem Gedanken zusammenfassen müsste, dann wäre es dieser:
Das Leben besteht nicht nur aus den großen Ereignissen.
Die meiste Zeit unseres Lebens verbringen wir im ganz normalen Alltag.
Und genau dort entscheidet sich, wer wir werden.
Nicht an den wenigen außergewöhnlichen Tagen.
Sondern in den vielen kleinen Momenten dazwischen.
Dort, wo wir treu bleiben.
Wo wir dienen.
Wo wir lieben.
Wo wir füreinander da sind.
Vielleicht wirkt ein einzelner Tag oft unscheinbar.
Doch viele unscheinbare Tage können ein ganzes Leben verändern.
Ich bin gespannt, was die letzten Wochen meiner Klosterzeit noch bereithalten und wohin Gott diesen Weg weiterführen wird.
Danke, dass du nun schon seit zwanzig Wochen diesen Weg mit mir gehst.
Ich wünsche dir eine gesegnete Zeit und den Mut, auch die kleinen und stillen Momente deines Lebens als etwas Wertvolles zu erkennen. Denn oft sind es genau diese Augenblicke, in denen Gott uns am nächsten ist.
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