Wochen 21 bis 25 Im Kloster

 

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Nun sind tatsächlich schon 25 Wochen meiner Klosterzeit vergangen und damit ist dies bereits der vorletzte Klosterblog. Wenn ich daran denke, dass ich vor einigen Monaten hier angekommen bin und damals noch überhaupt nicht wusste, was diese Zeit mit mir machen würde, ist es kaum zu begreifen, wie schnell die Zeit vergangen ist. Inzwischen fühlt sich Einsiedeln nicht mehr wie ein Ort an, an dem ich nur zu Besuch bin, sondern wie ein Ort, an dem ich einen Teil meines Lebens verbracht habe.

Die vergangenen fünf Wochen waren im Alltag eher ruhig und verliefen größtenteils in dem Rhythmus, den ich inzwischen so gut kenne. Ich arbeitete im Klosterladen, im Garten, im Archiv und in der Buchbinderei. Besonders die Arbeit mit den alten Pergamenten hat mich weiterhin begeistert. Alte Dokumente, die teilweise mehrere hundert Jahre alt sind, vorsichtig zu reinigen und zu reparieren, ist eine Aufgabe, bei der man automatisch langsamer und aufmerksamer wird. Man hält dabei nicht einfach irgendein Stück Papier in den Händen, sondern ein Zeugnis vergangener Generationen.

Auch im Garten gab es weiterhin viel zu tun. Die Arbeit dort ist inzwischen ein fester Bestandteil meines Tages geworden und gerade diese einfachen Tätigkeiten haben mir immer wieder gezeigt, wie wertvoll es sein kann, einfach etwas mit den eigenen Händen zu tun. Zwischendurch durfte ich außerdem bei verschiedenen Aufgaben im Kloster mithelfen und immer wieder neue Bereiche kennenlernen.

Was diese fünf Wochen aber besonders gemacht hat, waren vor allem die Menschen. Ich durfte wieder viele neue Menschen kennenlernen, darunter Priester, Ordensleute, Besucher und andere Menschen, die ihren eigenen Weg mit Gott suchen. Manche Begegnungen waren nur kurz, andere führten zu langen und tiefen Gesprächen. Gerade diese Begegnungen haben mir immer wieder gezeigt, dass jeder Mensch seine eigene Geschichte trägt und dass man oft viel weniger über einen Menschen weiß, als man auf den ersten Blick denkt.

Eine besondere Freude war für mich, dass Jannis noch einmal für zwei Wochen zu Besuch war. Wir durften wieder gemeinsam Zeit verbringen, ministrieren, reden und einfach den Klosteralltag miteinander erleben. Gleichzeitig war mir bewusst, dass diese gemeinsame Zeit hier nun vorerst zu Ende geht. Irgendwann kommt auch in einer Klosterzeit der Moment, an dem man merkt, dass bestimmte Begegnungen zu einem Teil der Erinnerung werden. Genau das macht sie vielleicht noch wertvoller.




Ein besonderes Erlebnis war außerdem das Sommerkloster. Dort durfte ich an verschiedenen Kursen teilnehmen und noch einmal eine ganz andere Seite des Klosterlebens kennenlernen. Besonders interessant fand ich die Beschäftigung mit der Benediktsregel und das Skriptorium. Dort durften wir selbst ausprobieren, wie Mönche früher geschrieben haben. Es war faszinierend zu sehen, wie viel Geduld, Genauigkeit und Hingabe hinter etwas steckt, das wir heute oft innerhalb weniger Sekunden erledigen würden.




Während einer Pilgerwanderung durfte ich dann etwas erleben, das den Gedanken „Memento Mori – bedenke, dass du sterben wirst“ plötzlich auf eine ganz andere Weise greifbar gemacht hat. Ich durfte dabei sein, wie ein Mensch diese Erde verlassen hat, wie er entschlafen ist. In diesem Moment wurde ganz deutlich: Der Tod gehört zu unserem Leben. Den Körper kann man vielleicht wieder versorgen, man kann ihn wieder aufrichten, man kann ihn wieder zurückbringen. Aber wenn die Seele gegangen ist, ist die Seele gegangen. Memento Mori ist dann keine bloße Erinnerung mehr, sondern eine Realität, die einem unmittelbar vor Augen steht.

Und genau deshalb bedeutet Memento Mori für mich nicht, ständig Angst vor dem Tod zu haben. Vielleicht bedeutet es vielmehr, bewusster zu leben. Bewusster zu lieben, bewusster zu vergeben, bewusster zu glauben und bewusster mit den Menschen umzugehen, die Gott uns anvertraut hat. Denn irgendwann wird aus einem „später“ ein „nicht mehr“.

Diese Gedanken haben auch meine Lesezeit begleitet. Ich habe in den vergangenen Wochen sehr viel gelesen und mich unter anderem intensiv mit Joseph Ratzingers „Jesus von Nazareth“ beschäftigt. Gerade solche Bücher geben einem immer wieder neue Fragen, über die man nachdenken kann. Und vielleicht ist das auch eine der größten Erfahrungen meiner Klosterzeit: Nicht auf jede Frage sofort eine Antwort zu brauchen, sondern manchmal einfach mit einer Frage vor Gott stehen zu können.



Auch bei der Premiere von Pater Thomas’ Buch „1526 – Ende oder Wende“ durfte ich mithelfen. Ich half bei den Vorbereitungen, kümmerte mich während der Vorstellung unter anderem um das Mikrofon, half anschließend beim Verkauf und beim Abräumen. Es war schön, bei einem solchen besonderen Tag im Kloster mit dabei sein zu dürfen und nicht nur als Besucher, sondern als Teil der helfenden Gemeinschaft mitzuwirken.

Wenn ich auf diese fünf Wochen zurückblicke, fällt mir auf, dass es gar nicht die großen Ereignisse sind, die mir am meisten im Gedächtnis bleiben. Es sind die Gespräche am Rand des Alltags, die Menschen, die plötzlich vor einem stehen, die gemeinsamen Gebete, das Ministrieren, die Arbeit mit alten Pergamenten, ein Spaziergang, ein Gespräch am Abend oder einfach ein stiller Moment, in dem man nichts Besonderes tut.

Und vielleicht ist genau das Klosterleben: nicht ständig etwas Außergewöhnliches zu erleben, sondern das Gewöhnliche mit einer anderen Aufmerksamkeit wahrzunehmen.



Nun steht tatsächlich nur noch eine einzige Woche vor mir. Ich kann noch gar nicht richtig realisieren, dass diese sechs Monate bald vorbei sein werden. Vor 25 Wochen bin ich hier angekommen und jetzt steht plötzlich der letzte Abschnitt vor mir. Ich weiß noch nicht, wie sich der Abschied anfühlen wird und was diese letzte Woche mit mir machen wird. Aber ich bin sehr gespannt, wie sich diese Zeit nun schließen wird und welche Gedanken, Begegnungen und Momente Gott mir für meine letzte Woche in Einsiedeln noch schenken wird.

Möge Gott dich behüten.



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